Microsoft hat im Oktober 163 Änderungen im Message Center veröffentlicht, 23 davon sind für deutsche Betriebsräte relevant. Drei stechen heraus, und bei ihnen geht es nicht um neue Funktionen, sondern um die Schalter, mit denen Funktionen gesteuert werden. Ein bekannter Schalter verschwindet und wird durch zwei neue ersetzt. Ein neuer Schalter kommt, und er steht auf erlaubt. Ein Schalter, mit dem man bisher Nein sagen konnte, entfällt ganz. Vereinbarungen beziehen sich fast immer auf Schalter. Wenn sich die Schalter ändern, ändert sich auch, was eine Vereinbarung tatsächlich regelt.
1. Die Copilot-Richtlinie für Teams-Besprechungen wird aufgeteilt (MC1532253)
Was passiert: Die bisherige Copilot-Richtlinie für Teams-Besprechungen wird durch zwei neue Richtlinien ersetzt. MeetingAI steuert, ob Copilot, Facilitator, Intelligent Recap und weitere KI-Funktionen in Besprechungen verfügbar sind. TranscriptionWithMeetingAI steuert, ob beim Einschalten der KI automatisch auch die Transkription startet. In den Besprechungsoptionen kommen die Einstellungen Who can manage AI, Who can use AI und Start Transcription with AI hinzu. Microsoft überführt bestehende Einstellungen einmalig und will das bisherige Verhalten erhalten. Danach lässt sich die alte Copilot-Richtlinie nicht mehr direkt ändern. Ausrollung ab Mitte November bis Anfang Dezember 2026.
Warum das brennt: Viele Vereinbarungen zu Copilot in Besprechungen enthalten eine Formulierung wie: Copilot nur mit gespeichertem Transkript. Das war technisch eine einzige Einstellung, und sie verknüpfte zwei Dinge miteinander. Diese Verknüpfung wird aufgelöst. Künftig sind KI und Transkription zwei getrennte Schalter, und die Kombination KI ohne Transkript ist ausdrücklich vorgesehen. Ein Intelligent Recap kann dann auch in Besprechungen entstehen, in denen niemand eine Transkription gestartet hat. Für die Beschäftigten soll sich zunächst nichts ändern. Genau deshalb fällt die Änderung leicht durch das Raster.
Konkrete Maßnahmen für den Betriebsrat:
- Stand vor der Umstellung festhalten: Lassen Sie sich die heutige Copilot-Richtlinie zeigen und notieren Sie die Werte. Nur so lässt sich später prüfen, ob die automatische Übertragung das vereinbarte Verhalten tatsächlich erhalten hat.
- Nach der Umstellung vergleichen: Ein kurzer Abgleich, sobald die neuen Richtlinien im Mandanten sichtbar sind, genügt. Er dauert Minuten und erspart spätere Diskussionen.
- Begriffe in der Vereinbarung anpassen: Wo die Copilot-Richtlinie genannt ist, gehören künftig MeetingAI und TranscriptionWithMeetingAI hin. Sonst verweist die Regelung auf eine Einstellung, die sich nicht mehr ändern lässt.
- Recap ohne Transkript bewusst entscheiden: Diese Variante gab es bisher nicht. Ob sie gewollt ist, sollte eine Entscheidung sein und kein Nebeneffekt.
- Who can use AI klären: Die neue Option erlaubt es, die KI-Nutzung in einer Besprechung auf bestimmte Teilnehmende zu beschränken. Das ist ein Werkzeug, das sich für eine faire Regelung gut nutzen lässt.
2. Ab dem 4. November dürfen alle Beschäftigten Agenten anlegen (MC1506733)
Was passiert: Microsoft Entra ändert die Voreinstellung dafür, wer Agent Blueprints anlegen darf, also die Vorlagen, aus denen KI-Agenten mit eigener Identität entstehen. Ab dem 4. November 2026 können das auch Beschäftigte ohne besondere Administratorrolle, sofern die Administration die neue Einstellung Users can create agent blueprints nicht abschaltet. Bestehende Agenten sind nicht betroffen. Die Einstellung lässt sich schon vor dem Stichtag setzen.
Warum das brennt: Der Stichtag ist knapp, und die Voreinstellung lautet: erlaubt. Agenten sind keine Dokumente oder Chats, sie haben eine eigene Identität im Verzeichnis und können im Auftrag von Menschen handeln und Daten verarbeiten. Bisher war ihre Erstellung an eine Rolle gebunden, und damit an eine Person, die Verantwortung trägt. Diese Bindung fällt weg, wenn niemand den Schalter umlegt. Die Mitbestimmung über einen einzelnen Agenten setzt voraus, dass man von ihm weiß. Wenn jede Person Agenten anlegen kann, wird diese Voraussetzung brüchig.
Konkrete Maßnahmen für den Betriebsrat:
- Heute nachfragen: Wie steht der Schalter, und ist eine Entscheidung geplant? Ein kurzer Anruf bei der IT reicht.
- Schrittweise statt flächendeckend: Solange es keine Regeln für eigene Agenten gibt, ist die Einstellung Nein die einfachere Ausgangslage. Freigeben lässt sich später immer noch.
- Rolle statt Allgemeinrecht: Microsoft bietet eine eigene Rolle für Agentenentwickler an. Eine kleine, benannte Gruppe mit dieser Rolle ist leichter zu begleiten als die gesamte Belegschaft.
- Bestand erheben: Lassen Sie sich zeigen, welche Agenten es heute schon gibt. Das macht die Diskussion konkret und meist kleiner als befürchtet.
- Verantwortung festlegen: Für jeden Agenten sollte eine Person benannt sein, die für seinen Zweck einsteht. Diese Regel ist einfacher zu vereinbaren, bevor die ersten hundert Agenten existieren.
3. GitHub-Copilot-Kennzahlen werden ohne Zustimmung eingeschaltet (MC1523085)
Was passiert: In Viva Insights mussten Kennzahlen zu GitHub Copilot bisher über eine Vorschau-Einstellung bewusst eingeschaltet werden. Diese Einstellung entfällt. Ab Mitte November erscheinen die Kennzahlen standardmäßig im Verbrauchsdashboard, gemeinsam mit den Werten zu Microsoft 365 Copilot. Zugriff haben globale Administratoren, Insights-Analysten mit globalem Zugriff und Führungskräfte mit Zugang zu den Verbrauchsauswertungen. Wer bisher nicht zugestimmt hatte, sieht die Kennzahlen trotzdem, sofern die Berechtigung für die Berichte besteht. Ausrollung bis Mitte Dezember 2026.
Warum das brennt: Hier wird aus einer Zustimmung ein Standard, und die Möglichkeit, Nein zu sagen, verschwindet gleich mit. Betroffen ist eine Berufsgruppe, deren Arbeit sich besonders leicht in Zahlen fassen lässt. Microsoft spricht von einer gemeinsamen Sicht auf Entwickler und Wissensarbeiter, was praktisch heißt: Die KI-Nutzung beider Gruppen landet im selben Dashboard, und Führungskräfte sehen sie. Entwicklerteams sind zudem oft klein. Eine Auswertung, die für eine große Abteilung zusammengefasst wirkt, kann bei fünf Personen sehr persönlich werden.
Konkrete Maßnahmen für den Betriebsrat:
- Betroffenheit klären: Wird im Haus GitHub Copilot genutzt, und wenn ja, von wie vielen Personen? Ist die Antwort nein, ist das Thema erledigt.
- Mindestgruppengröße prüfen: Viva Insights zeigt Auswertungen erst ab einer bestimmten Gruppengröße. Diese Zahl ist bei kleinen Teams die eigentliche Schutzvorkehrung.
- Führungskräftezugang ansehen: Wer hat heute Zugang zu den Verbrauchsauswertungen? Dieser Kreis sieht ab Mitte November auch die GitHub-Werte.
- Zweck festhalten: Einführung begleiten ja, Leistung einzelner Entwickler vergleichen nein. Dieser Satz trägt mehr als jede technische Einstellung.
- Beschäftigte informieren: Wer mit GitHub Copilot arbeitet, sollte wissen, dass die Nutzung künftig in Viva Insights erscheint. Eine kurze Mitteilung reicht.
Was noch im Oktober-Newsletter steht
20 weitere Einträge. Drei davon verdienen einen zweiten Blick. Führungskräfte können in Viva Insights künftig selbst Auswertungen veröffentlichen (MC1489942), auch entlang der Führungshierarchie und mit regelmäßiger Aktualisierung. Bisher saß dazwischen eine Analystin oder ein Analyst, und diese Zwischenstufe war oft die Stelle, an der vereinbarte Regeln tatsächlich angewendet wurden. Defender macht Aktivitäten in Teams-Besprechungen in der Sicherheitssuche auswertbar (MC1532241), einschließlich einer Verknüpfung zum Besprechungschat und einer Weitergabe an Microsoft Sentinel. Für die Untersuchung von Vorfällen das richtige Werkzeug, für alles andere nicht gedacht. Und eine gute Nachricht: Telefonteilnehmer in Einzelgesprächen können der Aufzeichnung künftig ausdrücklich zustimmen oder sie ablehnen (MC1530950). Damit schließt sich eine Lücke, die gerade im Kundenkontakt bestand.
Unsere Einordnungen sind fachlicher Arbeitsstand aus technischer Sicht und keine Rechtsberatung. Wir sagen, was eine Funktion tut, was sich einstellen lässt und wer im Haus das bewerten muss. Die rechtliche Bewertung bleibt dort, wo sie hingehört.
Den vollständigen Monatsüberblick gibt es im M365 Compliance Radar: improve-it.gmbh/m365-compliance-radar

